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SteuerErhaltungsaufwandVermieter

Renovierungskosten sofort von der Steuer absetzen: Steuererstattung im Jahr 1

Als Vermieter können Sie typische Renovierungskosten vollständig im Jahr der Zahlung absetzen — nicht verteilt über Jahrzehnte. Das Finanzamt übernimmt bis zu 42 % der Kosten. Welche Maßnahmen qualifizieren, wie der Sofortabzug funktioniert und wie Sie Steuererstattung und Mieterhöhung optimal kombinieren.

8 min Lesezeit·14. März 2026

Kein Steuer- oder Rechtsrat. Alle Angaben sind Orientierungswerte — für verbindliche Einschätzungen konsultieren Sie einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.

Erhaltungsaufwand: Sofortabzug statt Abschreibung über Jahrzehnte

Das Steuerrecht unterscheidet bei Immobilien zwei Kategorien von Ausgaben:

Erhaltungsaufwand

Maßnahmen, die den vorhandenen Zustand erhalten oder zeitgemäß erneuern. Sofort und vollständig absetzbar im Jahr der Zahlung als Werbungskosten.

Herstellungskosten

Maßnahmen, die den Wohnstandard grundlegend verbessern oder neue Bauteile erstmals schaffen. Müssen aktiviert und über die Gebäudenutzungsdauer abgeschrieben werden (2 % p.a. = 50 Jahre).

Die gute Nachricht: Die meisten typischen Renovierungen — neue Böden, frische Wände, Badsanierung, neue Fenster, Elektrik — fallen als Erhaltungsaufwand in die erste Kategorie. Sie sind im Jahr der Zahlung vollständig abzugsfähig und reduzieren Ihre Steuerlast sofort.

Rechenbeispiel: 25.000 € Renovierungskosten

Angenommen, Sie renovieren eine vermietete Wohnung für 25.000 €: neues Vinyl im Wohnbereich und Schlafzimmer, Badsanierung, frische Wände und neue Elektrik. Alle Maßnahmen sind Erhaltungsaufwand.

Steuererstattung im Jahr 1

Renovierungskosten (Sofortabzug)25.000 €
Steuersatz42 %
Steuererstattung Jahr 110.500 €
Netto-Investition nach Steuer14.500 €

Von 25.000 € Renovierungskosten übernimmt das Finanzamt 10.500 €. Ihre tatsächliche Netto-Investition beträgt nur noch 14.500 € — das sind 42 % weniger als der Bruttoaufwand.

Die Erstattung erhalten Sie mit Ihrer nächsten Einkommensteuererklärung — in der Regel also bereits im Folgejahr. Wer Vorauszahlungen leistet, kann beim Finanzamt auch eine unterjährige Anpassung beantragen.

Vereinfachte Berechnung mit Grenzsteuersatz 42 %. Ihr tatsächlicher Steuersatz kann abweichen. Keine Steuerberatung — konsultieren Sie Ihren Steuerberater.

Welche Maßnahmen qualifizieren als Erhaltungsaufwand?

Als Faustregel gilt: Was vorhandene Bauteile ersetzt oder erneuert, ist Erhaltungsaufwand. Was erstmalig eingebaut wird oder den Grundriss verändert, sind Herstellungskosten.

MaßnahmeEinordnungSofortabzug
Neue Bodenbeläge (Vinyl, Fliesen, Laminat)Erhaltungsaufwand
Wände streichen oder tapezierenErhaltungsaufwand
Badsanierung (Fliesen, Sanitär, Armaturen)Erhaltungsaufwand
Elektrik erneuern (Leitungen, Sicherungen)Erhaltungsaufwand
Fenster austauschenErhaltungsaufwand
Türen und Zargen ersetzenErhaltungsaufwand
Heizung ersetzen (gleichwertiger Typ)Erhaltungsaufwand
Erstmaliger Einbau FußbodenheizungHerstellungskosten
Anbau, Aufstockung, neue RäumeHerstellungskosten
Kernsanierung mit GrundrisserweiterungHerstellungskosten

Steuerliche Einordnung hängt vom Einzelfall ab. Bei Grenzfällen empfiehlt sich die Rücksprache mit einem Steuerberater.

Die 15-%-Grenze: Der einzige Fallstrick

Es gibt eine wichtige Ausnahme: die sogenannten anschaffungsnahen Herstellungskosten (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG). Wenn Sie in den ersten drei Jahren nach dem Kauf einer Immobilie Renovierungen durchführen, die mehr als 15 % des Gebäudekaufpreises (ohne Grundstück) übersteigen, verlieren alle diese Maßnahmen den Sofortabzug — unabhängig davon, ob sie einzeln als Erhaltungsaufwand qualifizieren würden.

Beispiel 15-%-Grenze

Kaufpreis Immobilie: 400.000 € (davon Gebäudeanteil 70 % = 280.000 €)

15-%-Grenze: 280.000 € × 15 % = 42.000 €

Renovierungen Jahr 1–3 über 42.000 €: kein Sofortabzug mehr möglich

Planen Sie größere Renovierungen kurz nach dem Kauf, lohnt es sich, entweder die Arbeiten zeitlich zu strecken (erste Tranche im Jahr 1, zweite Tranche in Jahr 4) oder vorab mit einem Steuerberater zu prüfen, ob die 15-%-Schwelle überschritten wird. Bei Bestandseigentümern, die ihre Wohnung schon länger halten, spielt diese Grenze keine Rolle.

Die 15-%-Grenze bezieht sich auf den Gebäudeanteil des Kaufpreises (ohne Grundstück). Maßgeblich sind alle Instandsetzungs- und Modernisierungsmaßnahmen der ersten drei Jahre zusammen. Keine Steuerberatung — konsultieren Sie Ihren Steuerberater für Ihren konkreten Fall.

Die optimale Kombination: Steuererstattung + Mieterhöhung

Renovierungen bei vermieteten Wohnungen eröffnen gleichzeitig zwei Vorteile, die sich gegenseitig verstärken: die sofortige Steuererstattung im Jahr 1 und die dauerhafte Mieterhöhung nach § 559 BGB.

Gesamtrechnung: 25.000 € Renovierung

Bruttokosten25.000 €
− Steuererstattung Jahr 1 (42 %)10.500 €
Netto-Investition14.500 €
Mieterhöhung § 559 BGB (70 % × 8 %)+117 €/Monat
Break-Even auf Nettobasis124 Monate
Break-Even auf Bruttobasis (ohne Steuer)214 Monate

Durch die Steuererstattung reduziert sich Ihre effektive Investition von 25.000 € auf 14.500 €. Das verkürzt den Break-Even von 214 auf nur noch 124 Monate. Nach dieser Zeit haben Sie die Netto-Investition durch die monatliche Mieterhöhung wieder eingespielt — und der Ertrag läuft dauerhaft weiter.

Vereinfachte Beispielrechnung. Steuersatz, tatsächliche Mieterhöhung und Break-Even hängen von Ihrem individuellen Fall ab. § 559 BGB Mieterhöhung setzt ordnungsgemäße Ankündigung voraus. Keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Häufige Fragen

Was ist, wenn ich die Wohnung selbst nutze und dann vermiete?

Der Sofortabzug als Erhaltungsaufwand setzt voraus, dass die Immobilie vermietet ist. Renovierungen während der Eigennutzung sind steuerlich nicht absetzbar. Erst ab dem Zeitpunkt der Vermietung entstehen absetzbare Werbungskosten.

Kann ich auch Handwerkerkosten für selbstgenutzte Immobilien absetzen?

Nein — der Werbungskostenabzug gilt nur für vermietete Objekte. Bei selbstgenutzten Immobilien gibt es jedoch die Handwerker-Steuerermäßigung (§ 35a EStG): 20 % der Lohnkosten (nicht Material), max. 1.200 € pro Jahr.

Muss ich Belege aufheben?

Ja — alle Rechnungen und Zahlungsnachweise sollten Sie mindestens 10 Jahre aufbewahren. Das Finanzamt kann Nachweise anfordern. Barzahlungen werden vom Finanzamt nicht anerkannt; zahlen Sie immer per Überweisung.

Zählen Eigenleistungen steuerlich?

Nein — nur tatsächlich bezahlte Handwerker- und Materialkosten sind absetzbar. Der Wert der eigenen Arbeitszeit kann nicht als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Fazit

Typische Renovierungen bei vermieteten Wohnungen sind steuerlich deutlich attraktiver als vielen Vermietern bewusst ist. Statt einer langen Abschreibung erhalten Sie:

  • 1.Sofortige Steuererstattung im Jahr 1 — bis zu 42 % der Renovierungskosten kommen direkt vom Finanzamt zurück.
  • 2.Dauerhafte Mieterhöhung nach § 559 BGB — 8 % der Kosten erhöhen die Jahresmiete dauerhaft, unabhängig von der Mietpreisbremse.
  • 3.Kürzerer Break-Even — durch die Steuererstattung sinkt Ihre Netto-Investition erheblich, der Break-Even verkürzt sich spürbar.

Der einzige relevante Fallstrick ist die 15-%-Grenze in den ersten drei Jahren nach dem Kauf. Wer diese im Blick behält oder die Wohnung schon länger hält, kann den vollen Sofortabzug nutzen.

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