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Mietwohnung renovieren als Vermieter 2026: Kosten, Steuer & Recht im Überblick

Renovierung ist für Vermieter keine Kostenfrage, sondern eine Renditefrage. Wann sich Renovierungen lohnen, was sie kosten, wie Sie die Steuervorteile optimal nutzen und wie Sie beim Mieterwechsel systematisch vorgehen.

30. März 2026 · 18 min Lesezeit

Keine Rechtsdienstleistungen im Sinne des RDG und keine Steuerberatung im Sinne des StBerG. Alle Angaben sind Orientierungswerte — für verbindliche Einschätzungen konsultieren Sie einen zugelassenen Rechtsanwalt und/oder Steuerberater.

Das Wichtigste in Kürze

Vollrenovierung 70 m²20.000–40.000 €
Steuerersparnis (42 %)bis zu 16.800 €
Netto-Investition11.600–23.200 €
Amortisation (typisch)5–10 Jahre
Badsanierung8.000–15.000 €
Bodenbelag erneuern2.000–5.000 €

Wann lohnt sich eine Renovierung — und wann nicht?

Für Vermieter ist Renovierung keine Frage des Geschmacks, sondern eine Renditefrage. Die drei relevanten Szenarien:

Szenario 1: Mieterwechsel

Der wichtigste Moment. Leerstand kostet täglich Geld. Schnelle, gezielte Renovierung verkürzt den Leerstand und ermöglicht eine höhere Neumiete. Details im Artikel zum Leerstand und Mieterwechsel.

Szenario 2: Modernisierung (§ 559 BGB)

Energetische Sanierung, Barrierefreiheit, neue Heizung. Kosten können mit 8 % p.a. auf die Miete umgelegt werden — unabhängig von der Mietpreisbremse.

Szenario 3: Pflichterhalt (§ 535 BGB)

Defekte Heizung, undichte Fenster, Schimmel — hier besteht keine Wahl. Aber auch Pflichtmaßnahmen sind steuerlich absetzbar.

Was muss der Vermieter renovieren? (Rechtslage)

§ 535 BGB verpflichtet den Vermieter, die Mietsache in einem Zustand zu erhalten, der die vertragsgemäße Nutzung ermöglicht. Das umfasst:

  • Funktionsfähige Heizung, Warmwasser, Elektrik
  • Dichte Fenster und Türen
  • Schimmelfreiheit (wenn nicht durch Mieter verursacht)
  • Funktionsfähige Sanitäranlagen

Schönheitsreparaturen (Wände streichen, Böden pflegen) sind gesetzlich Vermietersache — können aber per Mietvertrag auf den Mieter übertragen werden. Viele Standardklauseln sind jedoch nach BGH-Rechtsprechung unwirksam. Was gilt und was nicht, erklärt unser Artikel zu Schönheitsreparaturen 2026.

Die Grundlage für alle Haftungsfragen beim Mieterwechsel ist das Übergabeprotokoll. Wie Sie es rechtssicher erstellen, zeigt unser Leitfaden zum Übergabeprotokoll.

Kosten-Übersicht nach Gewerk

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über typische Kosten, Lebensdauer und steuerliche Einordnung. Klicken Sie auf die Links für detaillierte Artikel zu jedem Gewerk.

GewerkKosten niedrigKosten hoch
Badsanierung8.000 €15.000 €
Küche3.000 €8.000 €
Bodenbelag2.000 €5.000 €
Fenster4.000 €9.000 €
Heizung8.000 €18.000 €
Elektrik3.000 €8.000 €
Vollsanierung 70 m²35.000 €70.000 €

Preise für den Raum Stuttgart–Frankfurt 2026. Steuerliche Einordnung abhängig vom Einzelfall.

Steuerliche Behandlung in 5 Sätzen

Die steuerliche Einordnung entscheidet darüber, ob Sie die Kosten sofort oder über Jahrzehnte abschreiben. Hier die wichtigsten Regeln:

1

Erhaltungsaufwand = sofort absetzbar

Ersatz vorhandener Bauteile (Böden, Fliesen, Armaturen, Fenster) ist im Jahr der Zahlung vollständig als Werbungskosten absetzbar.

2

Herstellungskosten = AfA über 40 Jahre

Erstmalige Einbauten oder Grundrissänderungen müssen aktiviert und über die Gebäudenutzungsdauer abgeschrieben werden (2,5 % p.a.).

3

15-%-Grenze nach Kauf beachten

Wer in den ersten 3 Jahren nach Kauf mehr als 15 % des Gebäudekaufpreises renoviert, verliert den Sofortabzug für alle Maßnahmen.

4

Einbauküche: Sonderfall (BFH 2016)

Einbauküchen sind nach BFH-Urteil IX R 14/15 eigenständige Wirtschaftsgüter mit 10-jähriger AfA — nicht Gebäudebestandteil.

5

Vollsanierung: Herstellungskosten-Risiko

Werden 3 oder mehr Gewerke gleichzeitig erneuert und der Wohnstandard grundlegend verbessert, kann das Finanzamt Herstellungskosten annehmen.

Vollständige Steuerübersicht: Steuern bei Vermietung: der Leitfaden und Erhaltungsaufwand vs. Herstellungskosten.

§ 559 BGB: Renovierungskosten auf Mieter umlegen

Modernisierungsmaßnahmen (energetische Sanierung, Barrierefreiheit, neue Heizung) können nach § 559 BGB mit 8 % der Jahreskosten dauerhaft auf die Miete umgelegt werden — und das unabhängig von der Mietpreisbremse. Das macht Modernisierungen besonders attraktiv.

Beispiel: 20.000 € Modernisierungskosten = 1.600 €/Jahr Mieterhöhung = 133 €/Monat dauerhaft.

Details zur Berechnung und Ankündigung: Modernisierungskosten und § 559 BGB und Mieterhöhung nach § 559 BGB.

Der Entscheidungsrahmen beim Mieterwechsel

Der Mieterwechsel ist der wichtigste Renovierungsmoment. Das Übergabeprotokoll entscheidet, wer für was zahlt. Dann folgt die Wirtschaftlichkeitsrechnung: Was muss, was lohnt sich, was kann warten?

Den vollständigen Entscheidungsrahmen mit Checkliste und Rechenbeispiel finden Sie in unserem Artikel zum Leerstand und Mieterwechsel. Das Übergabeprotokoll als Grundlage erklärt unser Leitfaden mit Checkliste.

Rechenbeispiel: Vollrenovierung Stuttgart

70 m² Wohnung, Baujahr 1985, Mieterwechsel nach 8 Jahren

Badsanierung12.000 €
Böden erneuern (Vinyl)3.500 €
Wände streichen1.200 €
Küche erneuern4.500 €
Renovierungskosten gesamt21.200 €
− Steuerersparnis (42 % Erhaltungsaufwand)− 8.904 €
Netto-Renovierungskosten12.296 €
Neue Kaltmiete (vorher: 1.100 €/Mo)1.220 €/Mo (+120 €)
Amortisation (Netto ÷ Mietsteigerung)102 Mo ≈ 8,5 Jahre

Steuerliche Klassifizierung voraussetzungsabhängig; Steuersatz individuell; Mietsteigerung marktabhängig. Keine Steuer- oder Rechtsberatung.

Die Steuerersparnis von 8.904 € fließt bereits im ersten Jahr zurück. Die effektive Netto-Investition beträgt nur noch 12.296 € — das ist der entscheidende Hebel, der Renovierungen für Vermieter so attraktiv macht.

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Marktübersicht: Renovierungskosten nach Markt Stuttgart–Frankfurt

Handwerkerpreise variieren erheblich zwischen den Städten. Frankfurt liegt deutlich über Stuttgart, kleinere Städte wie Mannheim oder Karlsruhe darunter.

StadtPreisniveau HandwerkerKaltmiete Ø
Frankfurt am MainHoch (+15–20 %)16–22 €/m²
StuttgartMittel-Hoch (+5–10 %)14–19 €/m²
HeidelbergMittel (+0–5 %)13–17 €/m²
MannheimMittel (Basis)11–15 €/m²
WiesbadenMittel-Hoch (+5–10 %)13–18 €/m²
KarlsruheMittel (Basis)11–15 €/m²

Richtwerte 2026. Tatsächliche Preise abhängig von Gewerk, Zustand und Anbieter.

Wann lohnt sich die Renovierung nicht?

Nicht jede Renovierung ist wirtschaftlich sinnvoll. Drei Szenarien, in denen Sie besser abwarten oder verkaufen sollten:

Sehr kurze Restlaufzeit

Wenn der Mieter in 6 Monaten auszieht und Sie dann ohnehin renovieren müssen, lohnt sich eine Investition jetzt nicht.

Kaufpreisfaktor > 35

Bei sehr hohem Kaufpreisfaktor ist Verkauf oft rentabler als Halten und Renovieren. Renovierungsrendite reicht nicht aus.

Gebäudemängel überlagern

Wenn strukturelle Gebäudemängel (Dach, Fassade, Keller) die Wohnungsrenovierung überlagern, zuerst das Gebäude sanieren.

Häufige Fragen

Was muss ich als Vermieter renovieren?

Pflicht ist die Instandhaltung zur vertragsgemäßen Nutzung (§ 535 BGB): defekte Heizung, undichte Fenster, Schimmel (wenn nicht durch Mieter), defekte Armaturen. Schönheitsreparaturen sind nur Pflicht bei wirksamer Vertragsklausel.

Was kostet eine Komplettrenovierung einer Mietwohnung?

Eine Vollrenovierung einer 70-m²-Wohnung kostet typischerweise 20.000–40.000 €. Nach Steuer (42 %) reduziert sich die Netto-Investition auf 11.600–23.200 €.

Wie viel Renovierung muss ich beim Mieterwechsel durchführen?

Pflicht sind nur Instandhaltungsmaßnahmen und Schönheitsreparaturen bei wirksamer Klausel. Wirtschaftlich sinnvoll ist eine Renovierung, wenn die Kosten ≤ 12 Monatskaltmieten betragen.

Wann sind Renovierungskosten sofort von der Steuer absetzbar?

Erhaltungsaufwand (Ersatz vorhandener Bauteile) ist sofort absetzbar. Herstellungskosten müssen über die Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Achtung: 15-%-Grenze in den ersten 3 Jahren nach Kauf.

Kann ich Renovierungskosten auf den Mieter umlegen?

Modernisierungsmaßnahmen (§ 559 BGB) können mit 8 % der Jahreskosten auf die Miete umgelegt werden — unabhängig von der Mietpreisbremse. Reine Instandhaltung kann nicht umgelegt werden.

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